Es ist der 30. Juli 2026, der zweite Tag, seit Spider-Man: Brand New Day in den Kinos läuft und ich weiß nicht wohin mit meinen Emotionen.
Ich saß gerade mit 256 Menschen in dem größten Kinosaal, den die Stadt Gießen zu bieten hat, habe für zwei einhalb Stunden auf eine Leinwand gestarrt und alles gefühlt.
Ich war im Leben von Spider-Man. Ich habe mit ihm geweint, mit ihm gelacht, die Arme über dem Kopf zusammengeschlagen. Ich habe seine Kopfschmerzen gespürt, seine Verzweiflung, das Funkeln in seinen Augen gesehen. Und vor allem hab ich seine Einsamkeit gefühlt.
Ich habe so einen Spider-Man Emotionsausbruch dringend gebraucht. Seit Wochen fange ich Texte an, die ich nicht fertig schreibe. Mein Gedichtbuch ist leer, mein letzter Tagebucheintrag datiert sich auf Mai. Ich fühle in letzter Zeit nicht viel. Mein Leben ist gerade irgendwie ein bisschen langweilig.
Im Frühjahr dieses Jahres war ich ziemlich überfordert. Ein Auslandsaufenthalt hat so ziemlich alle Energie aufgebraucht, die mir 2026 zu bieten hatte. Ich bin als leere Hülle in eine neue Stadt gezogen und fühle mich auch jetzt, eine Woche vor meiner Rückkehr in die Heimat, noch nicht so ganz wie ich selbst. Ich war ziemlich viel in meiner Wohnung, habe mich selbst zurückgezogen, Treffen spontan abgesagt. Ich war alleine, so wie Spider-Man. Ich hab mir Fotos meiner besten Freunde von letztem Jahr angeschaut, so wie Spider-Man. Ich hatte Kopfschmerzen, war überfordert, hätte manchmal einen Rat meiner Mama gebraucht, so wie Spider-Man einen von Tante May.
Und auch wenn es lächerlich klingen mag, bin ich den Schauspielenden und dem Regisseur und all den Menschen hinter dieser Filmproduktion so dankbar, dass sie mich für eine kurze Zeit so viel haben fühlen lassen.
Ich liebe die Spider-Man-Reihe mit Tom Holland und Zendaya. Ich war mal richtig deep im MCU. Und auch wenn das alles nicht mehr so ganz meine Welt ist, will ich genau das erleben, wenn ich 12€ und dazu noch einen Haufen Geld für Coke Zero ausgegebe. Ich will mitfühlen. Ich will aus meiner Haut gerissen werden. Ich will meine Alltagsprobleme vergessen, die so klein erscheinen, neben dem ganzen Drama auf der Leinwand.
Und vor allem will ich unter Menschen sein, die das genauso fühlen wie ich, die ihre Spider-Man T-Shirts anziehen, die am Ende des Filmes klatschen, die noch für die Post-Credit-Scene sitzen bleiben, und bei den MCU Easter Eggs nach Luft schnappen. Denn das, meine lieben Freunde, ist Kunst: Wenn etwas so viel in einem auslöst.
Das hier ist eine Hymne an die Filmkunst, eine Ode an die Schauspielerei, eine Eloge an große Kinos.
Und gleichzeitig ist das ein Text an das Alleinesein, ein paar Zeilen an das Sich-nicht-nach-sich-selbst-fühlen, ein paar erste Worte an die Schreibblockade.
Also Freunde, wenn ihr euch gerade alleine fühlt, seid ihr damit nicht allein. Und geht vielleicht mal ins Kino. Spider-Man läuft noch ein paar Wochen.
